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Mit CI telefonieren

Eine Herausforderung aber auch eine Chance auf Unabhängigkeit!

Mit CI telefonieren

ÖCIG News 2026 · Fachartikel

Mit CI telefonieren

Eine Herausforderung – aber auch eine Chance auf Unabhängigkeit!

In der heutigen Zeit können Menschen mit Hörbeeinträchtigung aus einer großen Zahl an technischen Geräten die jeweils passende Grund-Hörtechnik für sich auswählen. Manche Situationen erfordern noch Zusatztechnik, damit das Hören einfacher und weniger anstrengend wird. Auch auf diesem Sektor ist die Auswahl groß, und die individuellen Bedürfnisse müssen bei der Wahl im Vordergrund stehen – nicht jeder braucht die gleichen Zusatzgeräte!

Neben der Hörtechnik braucht es auch eine gute technische Versorgung (sichere Diagnose, individuelle Anpassung der gewählten Hörtechnik, Unterstützung bei der Nutzung, regelmäßige Kontrollen und Feinanpassungen, Wartung der Hörtechnik, Unterstützung beim Probieren richtiger Zusatztechnik …), um seinen Alltag zu meistern.

Wenn dann sowohl von der Hörtechnik als auch von der technischen Versorgung aus alles erfolgreich verlaufen ist, geht es um ein bestmögliches, rasches Nutzen der neuen Hör-Impulse → Eine gute Hör-/Versteh-Sicherheit im Alltag ist das Ziel!

Und um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Mithilfe der hörbeeinträchtigten Person wohl unerlässlich. Gezieltes, individuell angepasstes Hörtraining für unterschiedliche Hörsituationen ermöglicht letztendlich, das neu gewonnene Hörvermögen bestmöglich zu nutzen, das Sprachverstehen zu verbessern und einen sicheren sowie selbstverständlichen Umgang im Alltag zu entwickeln.

Und doch wird es manchmal auch Situationen geben, die trotz bestmöglicher Hörtechnik und konsequenter, guter Mitarbeit herausfordernd sind. Eine dieser besonderen Hörsituationen für Hörtechniknutzer:innen kann das Telefonieren sein.

Was löst das Klingeln des Handys bei mir aus?

Ähnlich wie bei Übungen zum Sprachverstehen in Alltagskommunikationssituationen oder zum Hören von Musik kann man auch das Telefonieren durch gezieltes Training verbessern.

Letztlich geht es darum, Sprache auch am Telefon genauso sicher zu verstehen wie im persönlichen Gespräch. Das bedeutet, man sollte ein/e sichere/r Hörer:in sein, damit man mit rein auditiven Informationen Inhalte verstehen kann. Der Sehsinn fällt beim Telefonieren weg: Lippen- und Mundbewegungen, Gestik und Körperhaltung, Mimik, Blickkontakt und Blickrichtung, Sprechersignale und situative Informationen fehlen als wichtige Zusatzinformationen.

Da beim Fernsprechkanal außerdem nur ein reduzierter Bereich der möglichen Frequenzen übertragen wird, bedarf es schon einiger Übung, um eine gewisse Sicherheit zu erlangen.

Fernsprechkanal U/V f/Hz Frequenzbereich der Sprache reduzierter Frequenzbereich 80 300 3400 12000
Quelle: elektronik-kompendium.de

Der Fernsprechkanal liegt also im Frequenzbereich von 300 bis 3.400 Hz.

Wenn man also ein Stück weit Selbstständigkeit und Unabhängigkeit (zurück)gewinnen möchte, lohnt es sich, Zeit ins Telefontraining zu investieren. Meist verschwinden Unsicherheit oder Angst vor einem Telefongespräch, wenn man erste Erfolge erfahren hat. Und je öfter man telefoniert, umso größer ist die Chance, es gut zu können – und vielleicht sogar eine Plauderei mit Bekannten, die man nicht treffen kann, zu genießen.

01Tipps für davor

  • Telefonmodus manuell aktivieren (T-Spule, Bluetooth)
  • Für optimale Klangqualität sorgen (Akustiker:in)
  • Kompatibilitätsprobleme verhindern (das „richtige“ Telefon wählen)
  • Ruhige Umgebung wählen
  • Spezielle Festnetztelefone für Nutzer:innen von Hörtechnik
  • Erste Telefonate mit Personen führen, deren Stimme man kennt bzw. gut versteht

02Telefontraining am Beginn

Geschlossene Übungen
Ohne Störlärm
  • Mit Bekanntem beginnen – Alltagssätze, Wortlisten
  • Alleine üben: Servicenachrichten vom Band abhören (automatisierte telefonische Informationsdienste: Uhrzeit, Öffnungszeiten …)
  • Entgegennehmen von vorher vereinbarten Mitteilungen (Familienmitglieder)
  • Rückfragen üben (Habe ich das richtig verstanden? Könnten Sie das bitte wiederholen? …)
  • Rollenspiele – z. B. Terminvereinbarung beim Arzt
  • Falls möglich, zwischen Mikrofon-, Telecoil- und Bluetooth-Übertragung wechseln und vergleichen → die beste Lösung für sich finden!

03Telefontraining für Fortgeschrittene

Offene Übungen
Mit Störlärm
  • Gezielt telefonieren – Termine vereinbaren (Entscheidungsfragen ja/nein)
  • Informationsaufnahme (Kochrezept, Wegbeschreibung …)
  • Informationsbestätigung = gezieltes Nachfragen und Zusammenfassen
  • Freies Telefonieren – Thema vorher besprechen, man weiß, was einen erwartet
  • Freies Telefonieren – Thema vorher nicht bekannt geben → Plaudern

Gedanken zum Schluss

Das Telefonieren mit Hörtechnik ist vor allem anfangs oft eine Herausforderung. Durch regelmäßiges Üben (mit geeigneten technischen Hilfsmitteln) und die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Telefon-Hörsituationen einzulassen, lässt sich das Verstehen beim Telefonieren jedoch Schritt für Schritt verbessern. Entscheidend ist die aktive Mitwirkung als Hörtechnik-Nutzer:in.

Wer das Telefonieren bewusst in den Alltag integriert, gewinnt an Sicherheit, stärkt das Vertrauen in das eigene Hörvermögen und erweitert seine Kommunikationskompetenz beim Telefonieren. Jedes erfolgreich geführte Telefonat ist ein Schritt hin zu mehr Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Lebensqualität – und damit auch zu einer aktiven Teilhabe am privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Leben.

Über die Autorin

Ulrike Rülicke arbeitet seit vielen Jahren als selbstständige Dipl. Audiopädagogin und zertifizierte Audiotherapeutin in den Bereichen Hörrehabilitation, Hörtraining und Kommunikation in ihrer Praxis in Klosterneuburg. Mit ihrer Einzeltherapie, ihren Workshops und Fachartikeln unterstützt sie Menschen mit Hörbeeinträchtigung dabei, ihr Hörvermögen weiterzuentwickeln und im Alltag bestmöglich zu nutzen.

Ulrike Rülicke · Diplom-Audiopädagogin, zertifizierte Audiotherapeutin
Danubiastraße 3a, 3400 Klosterneuburg
uli@dazugehoeren.com · Mobil: 0664/6450423

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